Idee 2009
Idee Rundweg von und nach Santiago dC

Nach langer Wanderung bin ich bewegt und glücklich, wie andere Jakobspilger auch, in der Kathedrale von Santiago de Compostela angekommen. Dieser Moment in meinem Leben ist in mir verankert. Am Kap Finisterre, dem "Ende der Welt", beim Blick auf das weite Meer, war es ähnlich - und anders. Die Freude darüber, "angekommen" zu sein, mischte sich mit Trauer über das Ende meines Caminos. Die Sehnsucht kam wieder auf.

Der Weg war für mich Sinnbild für das Leben geworden. Wie im Leben hat es auf dem Camino Höhen und Tiefen zwinkern gegeben. War er nun wirklich zu Ende? Man kann sein Leben nicht noch einmal leben, daher wollte ich meinen Weg, auch wenn er noch so schön war, nicht wiederholen. Könnte ich meinen Camino fortsetzen und ihn irgendwann in ferner Zukunft vollenden, im Ziel aller Jakobspilger - obwohl ich es bereits erreicht habe? Kann ich dann wieder mit dem Gefühl ankommen, dass dies ein ganz besonderes Ereignis in meinem Leben ist? Ohne ein Wegstück - auch nur einen einzigen Meter - wiederholt und meine Erinnerungen mit Wiederholungen vermengt zu haben? Auf Jakobswegen, auf uralten Wegen, die zum Grab des Apostels Jakob führen? So dass sich alle meine bisherigen und folgenden Wege zu einem einzigen größeren, meinem Jakobsweg nahtlos zusammenfügen ließen?

Dann könnte ich immer wieder, wenn es mich "treibt", neue Wege an meinen bisherigen Camino anknüpfen, der mich ein weiteres, letztes Mal nach Santiago de Compostela führt. Jedes weitere Wegstück gehörte dann zu meinem Jakobsweg, der irgendwann, vielleicht erst in ferner Zukunft, entsprechend der mehr als 1000 Jahre alten Tradition am Grab des Apostels endet.

Beim Verweilen auf den Klippen des Kap Finisterre, mit sehnsüchtigen Blicken auf das unendliche Meer formte sich die Lösung: Wenn ich an der Küste Galiciens weiter nach Osten wandere und von dort auf den Camino Inglés stoße, würde ich wieder Santiago de Compostela erreichen..., wie damals und heute die angelsächsischen Pilger über den Seeweg, von Ferrol aus. Dieser Rundweg wäre dann das letzte Stück meines Jakobsweges, ein einziger durchgängiger Weg läge hinter mir, mein Camino wäre beendet, in Santiago de Compostela, im letzteren Teil meines Lebens, zu einem mir noch nicht bekannten Zeitpunkt... Und ich könnte jetzt und in Zukunft immer weiter auf meinem Jakobsweg gehen, bis ich mich dazu entscheide, das letzte Wegstück anzutreten.

Kathedrale (klick)

Dies gelänge nur mit einem Rundweg von und nach Santiago dC. Erleichtert über die Idee und wieder zuhause, recherchierte ich nach einem solchen Weg - doch es gab ihn nicht. Daher suchte ich an Galiciens Nordküste, zuhause auf der Karte und vor Ort, einzelne passende Wegstücke und fügte sie zu einem Rundweg zusammen. Diesen schönen Weg, der von Santiago über Finisterre, Muxía, Malpica de Bergantiños und A Coruña zurück nach Santiago führt, möchte ich interessierten Pilgern empfehlen. Da einheitliche und ganzheitliche Wegmarkierungen (noch?) nicht existieren, stelle ich meinen Weg in Kartenform und als GPS-Download hier zur Verfügung.

Buen Camino!

__________________________________________

Update, im April 2019:

Im März 2019 habe ich meinen Jakobsweg beendet. Eine durchgängige Strecke von fast 5500 km, mein Jakobsweg, lag hinter mir.

Rückblick:

Im Jahre 2008 bin ich erstmals in Santiago dC angekommen. Danach folgten weitere Wanderungen auf europäischen Jakobswegen, die sich nun wie Perlen auf einer Schnur reihen. 2016 erreichte ich das ehemalige KZ Auschwitz. Den größten Teil des Camino-Rundweges bin ich in 2013 gelaufen. Für den Abschluss meines Caminos hatte ich das letzte Wegstück des Rundweges, von Sigüeiro bis zur Kathedrale in Santiago de Compostela, "aufgespart". Meine liebe Frau Imelda ist dieses Stück Anfang 2019 mit mir gewandert. Wir haben das Ende des Caminos als gemeinsames Erlebnis in unser Herz aufgenommen.

Um zusammenhängend auf historischen Wegen wandern zu können, habe ich immer dann, wenn es erforderlich war, Verbindungsstrecken zwischen verschiedenen Jakobswegen gesucht, z.B. zwischen dem Camino Portugues und der Via de la Plata oder der Via Regia und dem Jakobsweg entlang des Hellweges. Auch sie sind Teil meines Jakobsweges. Nur so konnte ich ihn zu einem ununterbrochenen Weg, der nach Santiago führt, machen.

In Polen habe ich meinen Camino nicht weiter nach Osten fortsetzen wollen. Das Konzentrationslager Auschwitz - ein Ort des Erschauerns, des Nicht-Begreifen-Könnens - durfte nicht wie die anderen Orte nur Durchgangsstation sein. Auschwitz war zu einem der beiden Pole meines Jakobsweges geworden.

Am anderen Ende habe ich den südlichsten Punkt des europäischen Festlandes, das spanische Städtchen Tarifa, erreicht. Von dort aus setzte ich nach Tanger/Marokko über, und von dort aus werde ich, wenn es mich wieder "treibt" und meine Kraft und Gesundheit es zulassen, nach Süden weiterwandern. Auch dieser Weg wird an den bisherigen anknüpfen und zusammenhängend sein, er wird jedoch nicht zu meinem Jakobsweg gehören. Diesen habe ich endgültig in Santiago de Compostela, dem zweiten Pol meines Jakobsweges, beendet.

Die "Schleife", der Camino-Rundweg in Galicien, hat es mir ermöglicht, meinen Weg in der Mitte, in Santiago de Compostela, abschließen zu können.

Jeder Pilger, der in Santiago de Compostela ankommt, ist "seinen" Jakobsweg gegangen. Für jeden Pilger war er einmalig. Die Erinnerungen an ihn, an die durchlebten Gefühle und Stimmungen, die Freuden und Schmerzen, das Miteinander und Alleinsein, an die wunderbare Natur und auch an das, was Menschen geschaffen haben, gehören zu unserem Reichtum, tief in jedem von uns.